1. Einführung
Die Technische Entwicklung auch im Bereich der Trocknungstechnik schreitet unentwegt voran. Dennoch gibt es bewährte Systeme und Funktionsprinzipien, die über viele Jahre Bestand haben. Der Schubwendetrockner, auch Flachtrockner genannt, arbeitet nach so einem unverwüstlichen Trocknungssystem. Er wurde in den neunziger Jahren nahezu totgesagt, da sein ursprüngliches Aufgabenfeld der Getreidetrocknung von dem für diese Aufgabe wirtschaftlicheren Kaskaden-Schachttrockner übernommen wurde. Der Flachtrockner wird aber aktuell wieder als ein sehr flexibles und universell einsetzbares Trocknungsgerät entdeckt und erfährt durch die Verwendung von Abwärme als Heizquelle eine Renaissance.
2. Das Trocknungsprinzip
Der Schub-Wende-Trockner besteht im Wesentlichen aus einem feststehenden Siebboden, auf den das Produkt mit einer gewissen Schütthöhe aufgebracht wird. Die Luft wird von unten durch den Siebboden und durch das Produkt gedrückt und tritt nach Durchströmen der gesamten Schütthöhe entweder frei in die Umgebung aus oder wird von einem Absauggebläse abgesaugt und abgeführt (Abbildung 2f.). Das Prinzip ist von der altbewährten Wagentrocknung übernommen, bei der die Ware ohne Bewegung und Durchmischung in einem Satz getrocknet wird.

Abbildung 1: stationärer Schubwendetrockner
Bei einem Flachtrockner ist zusätzlich ein Schub-Wendewerk installiert, das kontinuierlich das Produkt vorwärts bewegt und dabei durchmischt. Der Schub-Wende-Trockner kann somit als Satztrockner verwendet werden, wo eine Trocknerfüllung vollständig auf die gewünschte Endfeuchte getrocknet wird und anschließend die Anlage komplett entleert und wieder mit neuer Ware befüllt wird. Hierbei dient das Wendewerk als reiner Durchmischungsapparat und zur Entleerung. Zum anderen kann ein Schub-Wende-Trockner als Durchlauftrockner genutzt werden. An der einen Seite wird frisches Produkt auf das Sieb aufgebracht, auf der anderen Seite erfolgt die Produktabgabe. Die Produktförderung und Durchmischung erfolgt über das Schub-Wende-Werk.

Abbildung 2: Durchlaufprinzip des Schubwendetrockners

Abbildung 3: Umlaufprinzip des Schubwendetrockners
Somit ist der Schubwendetrockner nichts anderes als ein Bandtrockner, mit dem Unterschied, daß sich nicht ein Band bewegt und die Ware fördert, sondern das Produkt über den Boden transportiert wird.
Natürlich kann man diese Anlage mit den damals gebauten Geräten nicht mehr vergleichen. Die gesamte Luftführung ist optimiert und die Anlagen sind jetzt mit der modernsten SPS-Steuerung ausgerüstet.
3. Die Geschichte
1967: wie alles begann
In Süddeutschland begannen die ersten Bauern mit dem Anbau von Mais. Hier tat sich nun das Problem der Konservierung nach der Ernte auf. Der Mais muß binnen kurzer Zeit nach der Ernte getrocknet werden, um lagerfähig zu sein. Dies veranlasste Stefan Laxhuber zusammen mit seinen Mitarbeitern die Entwicklung einer Trocknungsanlage in Angriff zu nehmen. Kurze Zeit später wurde der erste Schubwendetrockner gebaut. Mit großer Erwartung wurde zur Ernte diese Maschine von den Landwirten bestaunt und bereits für 1968 wurden vier Anlagen verkauft.

Abbildung 4: Der Prototyp der STELA-Schubwendetrocknungsanlage
Stefan Laxhuber hat sehr früh das Potential dieser Maschinen erkannt und kurz nach der Entwicklung im Jahre 1968 ein Patent hierauf angemeldet, damals im Namen der frisch gegründeten Niederlassung in Österreich.

Abbildung 5: Österreichische Patentschrift
1969 startete dann der Boom und allein in diesem Jahr konnte das Unternehmen STELA Stefan Laxhuber KG schon 34 Anlagen an Kunden in Deutschland und Österreich ausliefern.

Abbildung 6: Titelbild des ersten Prospektes
Aber die technische Weiterentwicklung blieb nicht stehen. Nachdem die Trocknungsperiode immer nur auf einen kurzen Zeitraum im Jahr beschränkt ist, stellte sich für viele Kunden die Frage: wohin mit der Trocknungsanlage außerhalb der Trocknungszeit ? STELA gab hier im Jahre 1972 die Antwort mit der Entwicklung der ersten Schubwendetrocknung als fahrbares Trocknungssystem. Die Fahrbarkeit stellte sicher, dass der Kunde seine Trocknung nach Beendigung der Saison auf einen beliebigen Platz wegräumen konnte und die Anlage somit nicht störte. Ein positiver Nebeneffekt trat zudem auf, dass die Anlagen damit auch einen größeren Werterhalt hatten und Jahre später zu hoch gehandelten Preisen weiterverkauft werden konnten wenn z.B. der Betrieb erweiterte und eine größere Maschine benötigte.
1976 zog auch der Export an. In dieser Zeit wurden die ersten Maschinen sogar bis nach Afrika verkauft

Abbildung 7: Montage einer Schubwendetrocknung in Ghana

Abbildung 8: Schubwendetrocknung in Nigeria

Abbildung 9: Zufriedene Kunden im Iran (ca. 1984)

Abbildung 10: Montage einer Trocknungsanlage in Venezuela 1986
Das Ende der 1970er:
Energie wurde teurer, es mussten Konzepte zur Energieeinsparung entwickelt werden. Kurzerhand wurden einige Schubwendetrockner mit Verkleidung gebaut und an die Kunden ausgeliefert. Mit einem Zusatzventilator konnte man dann sogar noch die ersten Entstaubungseinrichtungen mit einbauen und die Staubbelastungen an den Betrieben reduzieren (siehe auch Abbildung 14).
In den folgenden Jahren entwickelte sich der Schubwendetrockner im Zuge der Ausweitung des Maisanbaus zu dem Standardgerät für diesen Anwendungszweck.
Zug um Zug kam dann für die Maistrocknung eine andere, neue Technik in die Betriebe – der Dächer-Schachttrockner. Dieser löste dann bis in die 90er Jahre den Schubwendetrockner als den klassischen Mais- und Getreidetrockner ab. Aufgrund der Universalität des Schubwendetrockners bleiben aber noch sehr viele Nischenbereiche, in denen er nach wie vor gute Dienste tat. So zum Beispiel die Trocknung von Kürbiskernen, Karotten, Zichorie, Paprika, Pilzen, Trester etc.
Anfang des 21 Jahrhunderts kamen dann die ersten Anwendungsfälle zur Trocknung von Holzhackschnitzeln. Durch die Entwicklung eines neuen Schaufelwerks wurde auch dieses Gebiet erfasst. Seit jedoch der Biogasboom weltweit Einzug hält und die Betreiber von Biogasanlagen Wärme kostenlos zur Verfügung haben, beginnt sich ein neuer Boom abzuzeichnen. Die Universalität des Anlagentyps ist prädestiniert für die Trocknung der verschiedensten Produkte – seien es nun Mais und Getreide oder außerhalb der Saison Holzhackschnitzel oder, oder, oder.....
2007
Mittlerweile sind 40 Jahre vergangen und ein erfolgreiches Produkt ist wieder im Aufschwung. Demnächst wird die 1000ste Schubwendetrocknungsanlage ausgeliefert ! Dies ist eine beachtliche Zahl und diese Stückzahl für einen einzelnen Trocknungstyp wird auch im eigenen Hause STELA in Zukunft nur sehr schwer zu übertreffen sein.

Abbildung 11: Schubwendetrockner mit indirekter Lufterhitzung

Abbildung 12: semimobiler Schubwendetrockner GF 35

Abbildung 13: Trockner Typ MS 30

Abbildung 14: Trockner Typ MS 5